Jazz, der Zeitlosigkeit atmet

Hilden

VON BARBARA STEINGIESSER

Rheinische Post, März 2007

Das Engstfeld-Weiss-Quartett bewies mit dem Konzert bei QQTec, dass auch ein fünf Jahrzehnte alter Hardbop noch die Basis für kühne Experimente sein kann. Die Musiker verzichteten fast völlig auf elektronische Verstärkung.

Mit einem echten Klassiker eröffnete das Kulturforum QQTec die Konzertsaison 2007. Das Düsseldorfer Engstfeld-Weiss-Quartett, das trotz des schönen Vorfrühlingswetters am Sonntagnachmittag für gefüllte Stuhlreihen sorgte, steht schon seit langem für akustischen Modern Jazz, der eine gewisse Zeitlosigkeit atmet.

Akustisch ist hier durchaus wörtlich zu verstehen, denn obwohl die Band diesmal auf der Bühne eines Technikmuseums stand, kam sie bis auf einen kleinen Bassverstärker ohne elektrische Verstärkung aus, spielte gewissermaßen „unplugged“. Wolfgang Engstfeld, Professor für Jazz-Saxofon an der Kölner Musikhochschule, und Schlagzeuger Peter Weiss, Vorsitzender des Vereins „Jazz in Düsseldorf e.V.“, arbeiten in wechselnden Besetzungen schon seit über 35 Jahren zusammen.

Wer sie nicht kennt, könnte vermuten, dass ihrer Musik nach so vielen Jahren etwas Museales anhaften müsse, zumal der Hardbop, dem sie sich verschrieben haben, auch schon fünf Jahrzehnte auf dem Buckel hat. Doch weit gefehlt. Die Beständigkeit ihrer musikalischen Partnerschaft bietet die Chance zur stetigen Weiterentwicklung und Verfeinerung ihres Stils und bildet darüber hinaus die sichere Basis für kühne Experimente.

Feine Schattierungen

Gemeinsam mit ihren jüngeren Kollegen Hendrik Soll (Piano) und Christian Ramond (Kontrabass) haben sie einen geschlossenen Quartettsound entwickelt, kraftvoll und energetisch, doch zugleich mit Sinn für feine Schattierungen. Bei QQTec präsentierten sie eine ausgewogene Mischung aus Up-Tempo-Nummern und Balladen, Eigenkompositionen und Standards wie Thelonious Monks „Hackensack“. Hier besonders schön zu verfolgen, wie sich die Soli von Tenorsaxofon und Piano rundeten, indem sie am Schluss die Melodie wieder aufscheinen ließen, und wie sogar in der gemeinsamen Improvisation von Bass und Schlagzeug die rhythmische Struktur des Themas durchschimmerte. Robert Schumanns Heine-Vertonung „Im wunderschönen Monat Mai“ aus der „Dichterliebe“ spielte Engstfeld als lyrische Jazzballade, indem er die Melodie verlangsamte und mit freiem Atem umspielte.

Immer wieder neu

In Zusammenschau mit der anderen Frühlingsballade des Konzerts, Michel Legrands „You Must Believe In Spring“, mochte man Engstfeld gern zustimmen, der das Schumann-Lied als „Ur-Standard“ angekündigt hatte. Und was die Frühlingslieder betrifft: Hier lässt sich auch mit Schumann wieder Heine zitieren: „Es ist eine alte Geschichte, / Doch bleibt sie immer neu.“